Wir setzen unser Fragen nach der Übertragung in unseren sozial-pädagogischen Arbeitsfeldern fort. Sie führt uns über die ödipale Konstellation der Herkunftsfamilie eines Subjekts hinaus in "die früheren Generationen, die Geschichte dieser besonderen Familie und ihrer Brauchtümer, also ihren <Mythos>" (Ricardo Rodulfo). Dieser Mythos verwebt sich aus Elementen und Signifikanten der gegebenen Kultur/en, die in unseren Regionen wesentlich von den monotheistischen Buchreligionen geprägt sind. Die Figur des Kindes steht in diesen in der Mittlerfunktion der Gabe oder sogar der Offenbarung zwischen Gott und den Menschen. Wir fragen nach diesem "Dazwischen", aus dem das Subjekt hervorgeht und den Linien, Brüchen und Leerstellen unserer Epoche zu diesem Erbe.

Die Struktur dieser Workshopreihe ist zweigeteilt: vormittags ist Raum für theoretische Beiträge und deren Diskussion. Am Nachmittag ist Gelegenheit zum Sprechen und Hören aus der konkreten Arbeit im Rahmen einer Inter-/Supervision.

PROGRAMM

10:00h Begrüßungsrunde

10:30 - 11:30h Beitrag von Susanne Hübner (& Diskussion):

Kind und Mythos

Kurz, um den genauen Wert dessen zu ermitteln. was man die infantilen Sexualtheorien nennt, sowie der gesamten Ordnung an Tätigkeiten, die beim Kind um diese herum strukturiert sind,  müssen wir uns auf die Annahme eines Mythos beziehen.
(Lacan , 1957)

Findet die kindliche Phantasie mythisch anmutende Antworten auf die Frage nach der Herkunft von Babys, sind diese selbst strukturgebend für die Bildung kultureller Mythen um Frage nach Generativität, Tod, Geburt und Geschlecht. Lacan stellt mit Freud ihren Bezug zu einer unsagbaren Wahrheit heraus, einem traumatischen Kern. Jede Geburt eines Kindes birgt die Chance, neue Varianten und Spielarten dieser Wahrheit ins Leben zu setzen, aber auch die Gefahr traumatischer Wiederholung. In der sozialen Arbeit gilt es darum hellhörig zu bleiben, für die Narrative, die sich um die Geburt der Kinder bilden, sowohl innerhalb der Familie, als auch im gesellschaftlichen Umfeld, zu dem wir selbst gehören. Hierfür möchte der Beitrag sensibilisieren.

15' Pause

11:45h- 12:45h Beitrag von May Ament (& Diskussion):

Trauer, Melancholie und Verlust bei Kindern und Jugendlichen

Ausgehend von dem Film ‘Ich war zuhause aber’ von Angela Schanelec und den Arbeiten von Gisèle Vienne möchte ich anregen gemeinsam über Trauer, Verlust, Melancholie und den Zusammenhang mit der phallischen Funktion zu sprechen.

Ein Bruch mit dem Vorangegangenen, Überlieferten, manchmal ungefragt Eingeimpften sowie Eingedrückten: ein Bruch demnach mit den Prägungen changiert zwischen schmerzlichen und befreienden Momenten. Dieser grundlegend unteilbare und zugleich nicht verschwiegene, gelöste Zug ist als Erfahrung beziehungsweise Haltung übertragbar.
(Susanne Gottlob, Versuch übers Erwachen in Michael Thurnheim, Jenseits der Trauer, Au-delá du deuil, S.96)

12:45 - 14:00h Mittagspause (Tischreservierung beim Italiener)

14:00h - 16:00h  Intervision

Die Einbringung von Fallmaterial der Teilnehmenden ist erwünscht!

16:00 - 16:30h Abschlussrunde/ Planung des nächsten Workshops

Samstag, 4. Oktober, 10:00 - 16:30

Leitung: May Ament, Susanne Hübner und Indrė Wegner

Beitrag: 20 Euro (auf das Konto der Psychoanalytischen Bibliothek)

Detailliertes Programm und Literaturangaben bei Anmeldung bei: Susanne Hübner, su@huebner-psychoanalyse.de

Für Auswärtige ist auf Anfrage eine Teilnahme via Zoom möglich.