Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Lust an der Grenze
Phantastische Konstruktionen der Einmauerung und des Ausgeschlossenseins

Samstag, 4. September,17:00 - 19:00

Veranstaltung Navigation

Ein öffentliches Seminar der Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin
Leitung: Claus-Dieter Rath

Liebe Teilnehmer und Interessenten,
die nächste Sitzung dieses Seminars findet am Samstag, 4. September 2021 statt. Noch einmal nur via ZOOM, da praktische Fragen einer „Hybrid“-Veranstaltung erst noch geklärt werden müssen (d.h. physische Präsenz einiger Teilnehmer in der Berliner PsyBi unter Einbezug der auswärtigen Teilnehmer via Telekonferenz, bspw. Zoom).
Wer teilnehmen möchte, melde sich per E-Mail an bei: Seminar-RathCD@t-online.de.
Sie erhalten wenige Tage vorher eine Einladung mit einem Teilnahmecode.
Die Veranstaltung beginnt 17.15h. Sie können sich aber schon ab 17.00h einklinken.

Samstag, 4. September 2021 (17.15h – 19h):
Heiko Mussehl (Berlin): Verleugnete Spuren – Spuren der Verleugnung. „… Verleugnung s’apparente au démenti“(1)
Ausgehend von einer Bemerkung Adornos, die Machtergreifung des Nationalsozialismus hätte sich bereits in einer Negation in einer umgangssprachlichen Redeweise (»Kommt überhaupt gar nicht in Frage«(2)) angedeutet, und von dem doppelten Dementi, mit dem der Attentäter vom Jom Kippur 2019 in Halle sein Zerstörungswerk einleitete, soll die Frage entwickelt werden, inwiefern die Verleugnung eine unheimliche Verbindung mit dem Negierten oder gar eine fortgeschriebene Spur der Zerstörung (der Subjektivität im Nationalsozialismus) einschließt. Auch im Anschluss an die Fragen, die Peter Müller in seinem Vortrag vom 13. Februar(3) entwickelt hat, kann noch einmal in dem einen oder anderen Lapsus des Zwangsneurotikers geschaut werden, ob da nicht ein Dementi der unbewusste Einsatz ist.
———————————————————————————————————————–
Die Teilnehmer dieses Seminars erkunden die Funktion von Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen, wie sie sich in der psychoanalytischen und politischen Erfahrung darstellen.
Dazu gehören folgende Fragen: Wenn heute allenthalben Grenz-Spektakel inszeniert werden, vermag die Psychoanalyse das darin wirkende Begehren und Aufbegehren zu erhellen und Zusammenhänge etwa mit Problematiken des Körper-Ichs und der Besetzung erogener Randzonen zu erkennen? Wie funktioniert Literatur: (1) Jacques Lacan, 1975, Yale University, entretien avec des étudiantes
(2) Theodor W. Adorno, Minima Moralia, Berlin, Ffm, 1951, S. 199
(3) Peter Müller, Negativismus, Verneinung, Verwerfung, Manuskript zum Vortrag vom 13. Februar 2021 im Seminar von Claus-Dieter Rath
psychisch das Abgrenzen, Ausgrenzen und Eingrenzen, Isolieren, Eindämmen in Neurose, Psychose, Perversion? Und wie das Umschlagen von Lust/Unlust und Schmerz? Von Bindung und Entbindung? Was bewirken die unterschiedlichen Formen der Verwerfung? Wie kann – „Lust an der Grenze“ – plaisir die überbordende jouissance eindämmen?
Gelingt es uns, Beziehungen darzustellen zwischen der psychischen Organisation und
– dem propagandistischen Schreckensbild offener Grenzen, in deren Folge die einheimische
Bevölkerung und ihre Kultur in einer Migrantenflut umkommen sollen,
– subjektiven und kollektiven Identifizierungszwängen, den Politiken der Andersartigkeit, dem
Beschwören einer besonderen Gruppen-Identität und einer diffusen Sehnsucht nach Souveränität,
– Globalisierungsangst, Entgrenzungssehnsucht und die Wirksamkeit von Befreiungsversprechen, die
zur Einschließung in Kommunikations- und Zeichensysteme verführen,
– der Faszination am Niederreißen von Grenzen oder an (kalkulierten, provokativen, kopflosen) Grenzüberschreitungen,
– der Koexistenz von Gefühlsrohheit und höchster Sensibilität im Narzissmus der kleinen Differenzen, – der Aufhebung von Grenzkontrollen oder deren Wiedereinführung (auch bezüglich sprachlicher und sittlicher Korrektheit oder ästhetischer und ökologischer Richtwerte und Normen)?
Wie werden diese Prozesse in kollektiven und individuellen Mythen transportiert? Welche Rolle spielen dabei Sprache, Topologie (mit ihren Schranken und Knotungen) und Sexualität?
Studieren wir auch die Grenze als Verbindende, also den Grenzverkehr zwischen den „Reiche[n], Gebiete[n], Provinzen, in die wir den Seelenapparat der Person zerlegen“ (Freud: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, GW XV, S. 79).
„Normalerweise ist uns nichts gesicherter als das Gefühl unseres Selbst, unseres eigenen Ichs. Dies Ich erscheint uns selbständig, einheitlich, gegen alles andere gut abgesetzt. Dass dieser Anschein ein Trug ist, dass das Ich sich vielmehr nach innen ohne scharfe Grenze in ein unbewusst seelisches Wesen fortsetzt, das wir als Es bezeichnen, dem es gleichsam als Fassade dient, das hat uns erst die psychoanalytische Forschung gelehrt, die uns noch viele Auskünfte über das Verhältnis des Ichs zum Es schuldet. […]
Die Pathologie lehrt uns eine große Anzahl von Zuständen kennen, in denen die Abgrenzung des Ichs gegen die Außenwelt unsicher wird, oder die Grenzen wirklich unrichtig gezogen werden; Fälle, in denen uns Teile des eigenen Körpers, ja Stücke des eigenen Seelenlebens, Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle wie fremd und dem Ich nicht zugehörig erscheinen, andere, in denen man der Außenwelt zuschiebt, was offenbar im Ich entstanden ist und von ihm anerkannt werden sollte. Also ist auch das Ichgefühl Störungen unterworfen und die Ichgrenzen sind nicht beständig.“
Freud (1929): Das Unbehagen in der Kultur, GW XIV, S. 423f. —————————————————————————————————————–
Die weiteren Samstagstermine (immer 17-19h, alle via ZOOM, evtl. hybrid) sind voraussichtlich
2. Oktober: innen/außen – Grenzverläufe in der psychischen Topologie bei Freud und bei Lacan Beiträge von Georgette Schosseler-Prum u. Claus-D. Rath (Berlin)
Literatur:
Sigmund Freud (1923b): Das Ich und das Es (bes. Kap. 2). GW 13, S. 237-289; StA 3, S. 282-325.

Sigmund Freud (1930a [1929]): Das Unbehagen in der Kultur (bes. Kap. 1). GW 14, S. 419-506; StA 9, S. 197-270.
Sigmund Freud (1932): 31. Vorlesung: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit. GW 15, S. 62-85, StA 1, S. 496-516
Jacques Lacan: Lituraterre. In: Seminaire XVIII «D’un discours qui ne serait pas du semblant», Kap. VII (12 Mai 1971). Vgl. a. Autres Écrits, bes. S. 14
Hinweis:
Vortragswochenende
9./10. Oktober öffentliches der FLG-Mitglieder (auch via ZOOM) „Psychoanalyse als Diskurserfahrung“, orientiert an Arbeiten des im November 2020 verstorbenen Moustapha Safouan und als Vorbereitungstagung zum FLG-Kongress (s.u.)
6. November: Mann über Bord. Ränder und Grenzen des Geschlechtlichen Beiträge u.a. von Claus-D. Rath (Berlin)
Hinweis: 3.-5. Dezember: Kongress der Freud-Lacan-Gesellschaft. Arbeitstitel „Ödipus
heute“ (auch via Zoom) —————————————————————————————————————————– ——

Wer nicht Mitglied der Freud-Lacan-Gesellschaft (FLG) ist, bezahlt .
Hier die :
IBAN: DE67 1004 0000 0572 7128 00
BIC: COBADEFFXX (Commerzbank Berlin).
Freud-Lacan-Gesellschaft (www.freud-lacan-berlin.de; auch in facebook)
Das aktuelle Programm auf der Internetseite unter „Arbeitsgruppen & Seminare“
Kontakt: Claus-Dieter Rath, Niebuhrstr. 77, 10629 Berlin Teilnahmegebühr:
10€ pro Sitzung (Studenten u. Arbeitslose 5€)
Bankverbindung der FLG (neue Seminar-Mailadresse: Seminar-RathCD@t-online.de)

Details

Datum:
Samstag, 4. September,
Zeit:
17:00 - 19:00
Veranstaltungskategorien:
,

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.