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Lust an der Grenze Phantastische Konstruktionen der Einmauerung und des Ausgeschlossenseins

10. Oktober 2020,17:00 - 19:00

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Ein öffentliches Seminar der Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin

Leitung: Claus-Dieter Rath

Liebe Teilnehmer und Interessenten,
die nächste Sitzung dieses Seminars findet am Samstag, 10. Oktober nur via ZOOM statt.
Wer teilnehmen möchte, melde sich per E-Mail an (bei RathCD@aol.com). Sie erhalten wenige Tage vorher eine Einladung mit einem Teilnahmecode.

Die Veranstaltung beginnt 17.15h. Sie können sich aber schon ab 17.00h einklinken.

Samstag 10. Oktober (17.15h – 19h):
Susanne Hübner: Kindswohl und Wollust: Der Babykörper als phantasmatischer Schauplatz zwischen Einfühlung und Einverleibung. Fragen der Grenzziehung.

Im Kontext unseres Seminarthemas „Lust an der Grenze“ interessieren mich im Rahmen meiner Forschungsarbeit zum Thema „Kulturtechniken des Unbewussten an der Wiege des Subjekts“ Fragen nach den kulturellen Determinanten, auf denen sich die Begehrens- und Genießensökonomie nach und an Babys konstituiert. Wie inszeniert und medialisiert sich „die Lust am Säugling“ in Bild und Text in unserem Kulturraum? Welche Erregungsüberschüsse und Phantasmen werden geschürt und wie schlagen sie sich nieder in der Interaktion mit dem sich eben bildenden Wesen?

Zur Lektüre empfohlen:
– Fangerau, Heiner/Hornuff, Daniel (Hg.) (2020): Visualisierung des Ungeborenen, Interdisziplinäre Perspektiven. Wilhelm Fink Verlag (Einleitung: Visualisierung des Ungeborenen, S. 1-9)
– Freud, Sigmund (1905d): Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (bes. Kap. II „Die infant. Sexualität“, S. 95-107)
– Laurent, Éric (2019): Die Kehrseite der Biopolitik, Eine Schrift für das Genießen. Hrsg. Neues Lacan’sches Feld. Turia + Kant, Wien.
– Meyer, Guido (2004): Geburt, Angst, Tod und das Begehren nach dem Mutterleib, Geschichte der Urthemen in der Psychoanalyse, Wissen & Praxis, Bd. 129. Brandes & Apsel, Frankfurt a. M. (bes. Kap. 1.3 Das Lust-Unlust-Prinzip als Grundlage der Motivation)
– Stern, Daniel (1994): Mutter und Kind, Die erste Beziehung. Klett-Cotta, Stuttgart (bes. „Nähe“ in Kapitel II, S. 31-32)

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Die Teilnehmer dieses Seminars erkunden die Funktion von Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen, wie sie sich in der psychoanalytischen und politischen Erfahrung darstellen.

Dazu gehören folgende Fragen: Wenn heute allenthalben Grenz-Spektakel inszeniert werden, vermag die Psychoanalyse das darin wirkende Begehren und Aufbegehren zu erhellen und Zusammenhänge etwa mit Problematiken des Körper-Ichs und der Besetzung erogener Randzonen zu erkennen? Wie funktioniert psychisch das Abgrenzen, Ausgrenzen und Eingrenzen, Isolieren, Eindämmen in Neurose, Psychose, Perversion? Und wie das Umschlagen von Lust/Unlust und Schmerz? Von Bindung und Entbindung? Was bewirken die unterschiedlichen Formen der Verwerfung? Wie kann – „Lust an der Grenze“ – plaisir die überbordende jouissance eindämmen?

Gelingt es uns, Beziehungen darzustellen zwischen der psychischen Organisation und
– dem propagandistischen Schreckensbild offener Grenzen, in deren Folge die einheimische Bevölkerung und ihre Kultur in einer Migrantenflut umkommen sollen,
– subjektiven und kollektiven Identifizierungszwängen, den Politiken der Andersartigkeit, dem Beschwören einer besonderen Gruppen-Identität und einer diffusen Sehnsucht nach Souveränität,
– Globalisierungsangst, Entgrenzungssehnsucht und die Wirksamkeit von Befreiungsversprechen, die zur Einschließung in Kommunikations- und Zeichensysteme verführen,
– der Faszination am Niederreißen von Grenzen oder an (kalkulierten, provokativen, kopflosen) Grenzüberschreitungen,
– der Koexistenz von Gefühlsrohheit und höchster Sensibilität im Narzissmus der kleinen Differenzen,
– der Aufhebung von Grenzkontrollen oder deren Wiedereinführung (auch bezüglich sprachlicher und sittlicher Korrektheit oder ästhetischer und ökologischer Richtwerte und Normen)?

Wie werden diese Prozesse in kollektiven und individuellen Mythen transportiert? Welche Rolle spielen dabei Sprache, Topologie (mit ihren Schranken und Knotungen) und Sexualität?

Studieren wir auch die Grenze als Verbindende, also den Grenzverkehr zwischen den „Reiche[n], Gebiete[n], Provinzen, in die wir den Seelenapparat der Person zerlegen“ (Freud: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, GW XV, S. 79).

„Normalerweise ist uns nichts gesicherter als das Gefühl unseres Selbst, unseres eigenen Ichs. Dies Ich erscheint uns selbständig, einheitlich, gegen alles andere gut abgesetzt. Dass dieser Anschein ein Trug ist, dass das Ich sich vielmehr nach innen ohne scharfe Grenze in ein unbewusst seelisches Wesen fortsetzt, das wir als Es bezeichnen, dem es gleichsam als Fassade dient, das hat uns erst die psychoanalytische Forschung gelehrt, die uns noch viele Auskünfte über das Verhältnis des Ichs zum Es schuldet. […]

Die Pathologie lehrt uns eine große Anzahl von Zuständen kennen, in denen die Abgrenzung des Ichs gegen die Außenwelt unsicher wird, oder die Grenzen wirklich unrichtig gezogen werden; Fälle, in denen uns Teile des eigenen Körpers, ja Stücke des eigenen Seelenlebens, Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle wie fremd und dem Ich nicht zugehörig erscheinen, andere, in denen man der Außenwelt zuschiebt, was offenbar im Ich entstanden ist und von ihm anerkannt werden sollte. Also ist auch das Ichgefühl Störungen unterworfen und die Ichgrenzen sind nicht beständig.“
Freud (1929): Das Unbehagen in der Kultur, GW XIV, S. 423f.

Die weiteren Samstagstermine (immer 17-19h) sind voraussichtlich

07. November:
Claus-Dieter Rath: Verpönung, Erniedrigung und Überschätzung. Grenzoperationen im Sexual- und Liebesleben

Zur Lektüre empfohlen:
– Freud, Sigmund (1905d): Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (bes. Abschnitt 2:  Abweichungen in Bezug auf das Sexualziel … a) Anatomische Überschreitungen; GW 5, S. 48-54, SA 5, S. 60-64)
– Freud, Sigmund (1912d): Über die allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens (›Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens‹). GW 8, S. 78-91; SA 5, S. 199-209 (bes. Abschnitt 1)
– Gisie, Hervé: Die Verpönung [bezogen auf die betreffenden Arbeiten von Lucien Israël]:http://fedepsy.org/wp-content/uploads/2018/09/Site-2019-H.-Gisie-Die-Verp%C3%B6nung-gk.pdf
– Israël, Lucien (1975): Die Verpönung – L’opprobre. Anonym erschienen in der Zeitschrift Scilicet 6/7, 1976, S. 142-156 (Zeitschrift der Lacan’schen École freudienne de Paris)

05. Dezember

Teilnahmegebühr: Wer nicht Mitglied der Freud-Lacan-Gesellschaft (FLG) ist, bezahlt 10€ pro Sitzung (Studenten u. Arbeitslose 5€).
Hier die Bankverbindung der FLG:
IBAN: DE67 1004 0000 0572 7128 00
BIC: COBADEFFXX (Commerzbank Berlin).

Freud-Lacan-Gesellschaft (www.freud-lacan-berlin.de; auch in facebook)
Das aktuelle Programm auf der Internetseite unter „Arbeitsgruppen & Seminare 2020“

Ort: Psychoanalytische Bibliothek Berlin
Hardenbergstr. 9, 10623 Berlin, Hinterhaus, Erdgeschoss (www.psybi-berlin.de)
(U2 Ernst-Reuter-Platz, SB Savignyplatz, SB, U2, U9 Zoologischer Garten)
Kontakt: Claus-Dieter Rath, Niebuhrstr. 77, 10629 Berlin (RathCD@aol.com)

Details

Datum:
10. Oktober 2020,
Zeit:
17:00 - 19:00
Veranstaltungskategorien:
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