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Lust an der Grenze

Samstag, 8. Mai,17:00 - 19:00

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Lust an der Grenze
Phantastische Konstruktionen der Einmauerung und des Ausgeschlossenseins Ein öffentliches Seminar der Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin

Leitung: Claus-Dieter Rath

Liebe Teilnehmer und Interessenten,
die nächste Sitzung dieses Seminars findet am Samstag, 8. Mai 2021 nur via ZOOM statt.
Wer teilnehmen möchte, melde sich per E-Mail an
(neue Adresse! Seminar-RathCD@t-online.de).
Sie erhalten wenige Tage vorher eine Einladung mit einem Teilnahmecode.
Die Veranstaltung beginnt 17.15h. Sie können sich aber schon ab 17.00h einklinken.

Samstag, 8. Mai 2021 (17.15h – 19h):
Gabrielle Gimpel (Toulouse): Die Erschaffung einer Schreckensgrenze als Versuch der Selbstheilung?
In Situationen psychischer Unsicherheit kann das Subjekt (das Ich?) nach einem Relief suchen, einem Anhaltspunkt, den es wiedererkennen kann: als etwas „Sicheres“ zum Festhalten.
So hat ein achtjähriges Mädchen sich geschworen, dass sie sich mit 15 Jahren das Leben nehmen würde. Ihr Leben war leer, traurig. Die Zuwendung der Mutter fehlte.
Eine fünfzigjährige Frau fürchtet immer das Schlimmste, wenn sie gesundheitliche Probleme hat. Sie ist fähig, ihrem schlimmen Chef die Meinung zu sagen, aber wenn es um ihren Körper geht, fürchtet sie das Schlimmste und kann sich dem nicht erwehren; nicht einmal zweifeln kann sie an dem schlimmsten Ausgang.
Ich verstand beide Situationen, als ob das Schrecklichste der puren Bedrohung der Ungewissheit vorzuziehen sei.
Signifikanten können etwas vortäuschen, etwas glauben machen, das Genießen als Reales erscheint demgegenüber glaubwürdiger.
So wollte ich diese zweite Linie des „Schlimmsten“, die hinter dem Schutzwall des symbolisch Meisterhaften liegt und den „Absturz“ ins Unerträgliche, in die Panik, aufhält, hinterfragen.
Kann sie mit einer Phobie verglichen werden?
In der Lacan‘schen Theoretisierung gibt es einige Linien, Punkte, Margen, Bänder, Felder, Überschneidungen und ähnliches.
Fangen wir mit dem Seminar Die Angst (Jacques Lacan) an.

Zur Lektüre empfohlen:
– Lacan, Jacques: Seminar Die Angst (Wien/Berlin: Turia+Kant); Orig. L’angoisse (Paris: Seuil)
Lektionen vom 19.12.1962, 5.6./12.6./19.6/26.6. u. 3.7.1963
– Assoun, Paul-Laurent : Leçons psychanalytiques sur les phobies. Paris: Anthropos, 2000.

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Die Teilnehmer dieses Seminars erkunden die Funktion von Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen, wie sie sich in der psychoanalytischen und politischen Erfahrung darstellen.
Dazu gehören folgende Fragen: Wenn heute allenthalben Grenz-Spektakel inszeniert werden, vermag die Psychoanalyse das darin wirkende Begehren und Aufbegehren zu erhellen und Zusammenhänge etwa mit Problematiken des Körper-Ichs und der Besetzung erogener Randzonen zu erkennen? Wie funktioniert psychisch das Abgrenzen, Ausgrenzen und Eingrenzen, Isolieren, Eindämmen in Neurose, Psychose, Perversion? Und wie das Umschlagen von Lust/Unlust und Schmerz? Von Bindung und Entbindung? Was bewirken die unterschiedlichen Formen der Verwerfung? Wie kann – „Lust an der Grenze“ – plaisir die überbordende jouissance eindämmen?

Gelingt es uns, Beziehungen darzustellen zwischen der psychischen Organisation und
– dem propagandistischen Schreckensbild offener Grenzen, in deren Folge die einheimische Bevölkerung und ihre Kultur in einer Migrantenflut umkommen sollen,
– subjektiven und kollektiven Identifizierungszwängen, den Politiken der Andersartigkeit, dem Beschwören einer besonderen Gruppen-Identität und einer diffusen Sehnsucht nach Souveränität,
– Globalisierungsangst, Entgrenzungssehnsucht und die Wirksamkeit von Befreiungsversprechen, die zur Einschließung in Kommunikations- und Zeichensysteme verführen,
– der Faszination am Niederreißen von Grenzen oder an (kalkulierten, provokativen, kopflosen) Grenzüberschreitungen,
– der Koexistenz von Gefühlsrohheit und höchster Sensibilität im Narzissmus der kleinen Differenzen,
– der Aufhebung von Grenzkontrollen oder deren Wiedereinführung (auch bezüglich sprachlicher und sittlicher Korrektheit oder ästhetischer und ökologischer Richtwerte und Normen)?
Wie werden diese Prozesse in kollektiven und individuellen Mythen transportiert? Welche Rolle spielen dabei Sprache, Topologie (mit ihren Schranken und Knotungen) und Sexualität?
Studieren wir auch die Grenze als Verbindende, also den Grenzverkehr zwischen den „Reiche[n], Gebiete[n], Provinzen, in die wir den Seelenapparat der Person zerlegen“ (Freud: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, GW XV, S. 79).
„Normalerweise ist uns nichts gesicherter als das Gefühl unseres Selbst, unseres eigenen Ichs. Dies Ich erscheint uns selbständig, einheitlich, gegen alles andere gut abgesetzt. Dass dieser Anschein ein Trug ist, dass das Ich sich vielmehr nach innen ohne scharfe Grenze in ein unbewusst seelisches Wesen fortsetzt, das wir als Es bezeichnen, dem es gleichsam als Fassade dient, das hat uns erst die psychoanalytische Forschung gelehrt, die uns noch viele Auskünfte über das Verhältnis des Ichs zum Es schuldet. […]
Die Pathologie lehrt uns eine große Anzahl von Zuständen kennen, in denen die Abgrenzung des Ichs gegen die Außenwelt unsicher wird, oder die Grenzen wirklich unrichtig gezogen werden; Fälle, in denen uns Teile des eigenen Körpers, ja Stücke des eigenen Seelenlebens, Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle wie fremd und dem Ich nicht zugehörig erscheinen, andere, in denen man der Außenwelt zuschiebt, was offenbar im Ich entstanden ist und von ihm anerkannt werden sollte. Also ist auch das Ichgefühl Störungen unterworfen und die Ichgrenzen sind nicht beständig.“
Freud (1929): Das Unbehagen in der Kultur, GW XIV, S. 423f.
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Die weiteren Samstagstermine (immer 17-19h, alle via ZOOM, evtl. hybrid) sind voraussichtlich

19. Juni: Operationen am Auge. Vom Einbruch des Realen und der Arbeit an seinen Eingrenzungen.
Beitrag von Britta Günther (Hamburg)
Ein operativer Eingriff am Auge hat bei einem Analysanten von mir ein psychotisches Geschehen ausgelöst. Davon ausgehend möchte ich von der großen Angst sprechen, die mit diesem Geschehen verbunden war – und Elemente der Eingrenzung schildern. Dies sind wahnhafte Elemente, und auch solche, die zwanghaft anmuten. Es geht um ein Verschwinden des Auges (obwohl die OP weitgehend gelang), gleichzeitig um seine Übermacht und um die Versuche, es auf die eine oder andere Weise einzukreisen im Sprechen; es wieder zu haben.
Ich möchte einige Verknüpfungen vorstellen, solche die gelingen und andere, die misslingen, und zeigen, dass diese in einem engen Verhältnis zum Verlust des Körperbildes stehen. In besonderer Weise hilfreich fand ich für diese Überlegungen den letzten Abschnitt von Freuds Das Unbewusste, Lacans Überlegungen in Seminar IV zu den Permutationen, mit denen sich der kleine Hans einen größeren Bewegungsraum verschafft, sowie einen Abschnitt aus Lacans Ausarbeitungen zum Sinthom im gleichnamigen Seminar XXIII, zu dem Geneviève Morel in Der junge Mann ohne Ego eine Lektüre anbietet.

Literatur:
Sigmund Freud (1915), Die Agnoszierung des Unbewußten, in: Das Unbewußte, Abschnitt VII, Studienausgabe Band III, S. 155-162; (GW, Bd. 10, S. 300-309).
Jacques Lacan, Permutationen, in: Das Seminar, Buch IV, Die Objektbeziehung (1956-1957), aus dem Französischen von Hans-Dieter Gondek, Sitzung XIX, S. 375-394.
Jacques Lacan, Sitzung vom 11. Mai 1976, in: Seminar XXIII, Das Sinthom, private Übersetzung aus dem Französischen von Max Kleiner, S. 148-159.
Geneviève Morel (2008/2017), Der junge Mann ohne Ego, in: Das Gesetz der Mutter, aus dem Französischen von Anna-Lisa Dieter, Kapitel V (erster Teil), S. 143-164.
Die beiden Abschnitte aus den Lacan-Seminaren kann ich auf Anfrage (b.guent@gmx.net) gern als pdf zusenden, in Bezug auf Seminar XXIII handelt es sich dabei um die private Übersetzung durch Max Kleiner, die er dankenswerterweise zur Verfügung stellt. Das Seminar ist 2017 in der Übersetzung von Myriam Mitelman und Harold Dielmann bei Turia + Kant erschienen.

—- Juli und August Sommerpause —-
4. September: Verleugnete Spuren – Spuren der Verleugnung.
Beitrag von Heiko Mussehl (Berlin)

2. Oktober:
6. November:
3.-5. Dezember: Kongress der Freud-Lacan-Gesellschaft (auch via Zoom)

Teilnahmegebühr: Wer nicht Mitglied der Freud-Lacan-Gesellschaft (FLG) ist, bezahlt 10€ pro Sitzung (Studenten u. Arbeitslose 5€).
Hier die Bankverbindung der FLG:
IBAN: DE67 1004 0000 0572 7128 00
BIC: COBADEFFXX (Commerzbank Berlin).

Freud-Lacan-Gesellschaft (www.freud-lacan-berlin.de; auch in facebook)
Das aktuelle Programm auf der Internetseite unter „Arbeitsgruppen & Seminare“

Kontakt: Claus-Dieter Rath, Niebuhrstr. 77, 10629 Berlin
(neue mail-Adresse: Seminar-RathCD@t-online.de)

Details

Datum:
Samstag, 8. Mai,
Zeit:
17:00 - 19:00
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