Über die Sublimierung zu schreiben, ist keine leichte Sache. Oft schreckt der staubige und langweilige Aspekt ab, den dieser Begriff der Psychoanalyse angenommen hat. Es hat zum großen Teil damit zu tun, dass er von ganzen Generationen von Akademikern vereinnahmt wurde, die ihn zur Interpretation von Kunstwerken entstellten. Freud bezeichnete damit ein Triebschicksal und unterstrich dessen Nähe zum „Ding“ (bzw. zum "Urverdrängten"). Durch die Beschränkung auf das symbolische und das imaginäre Feld erlitt dieser Begriff nicht nur eine Verblassung, sondern sogar ein Fehlverständnis.
In seinem Buch „Sublimierung und Gewalt“¹ analysiert Claus-Dieter Rath die Relevanz dieses Konzepts für die Klinik und hebt die Dimension des Realen dieses psychischen Prozesses hervor. Wir werden mit der Lektüre bei unserem Treffen der Lesegruppe am 9. September beginnen.
Martine Gardeux
¹ Claus-Dieter Rath, Sublimierung und Gewalt. Elemente einer Psychoanalyse der aktuellen Gesellschaft. 2019, Psychosozial-Verlag, Gießen.