Unter dem Titel „Die verbotene Trauer. Endlose Kriege und die Melancholie der Politik“ hat Ida Dominijanni anlässlich der vom Verein MUUB organisierten Tagung „Die Macht des Unbewussten in der Politik und im Subjekt“ aufgezeigt, wie das Verbot kollektiver Trauerarbeit ein strategisches Mittel (nicht nur) der zeitgenössischen Politik ist. Ihre politische Analyse hat nicht nur deutlich gemacht, inwieweit der Kriegswahn unserer Zeit als ein Mittel interpretiert werden kann, um Trauer in unserer Gesellschaft zu verdrängen, sondern hat auch im deutschsprachigen Raum ein Echo auf Mitscherlichs Buch Die Unfähigkeit zu weinen ausgelöst. Ausgehend von dem »gespenstischen Zustand der modernen Politik«, den Derrida bereits vor 30 Jahren beschrieben hat, stellt heute Dominijanni grundlegende Fragen wie: »Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Krise der Politik und der Trauerarbeit in unserer Zeit, in der Pandemien und Kriege immer mehr Opfer fordern, während die institutionelle Politik nur in der Lage zu sein scheint, die Verluste mit Gewalt zu überdecken, während die Politik von unten darum kämpft, Trauer in Bewusstsein und Rebellion zu verwandeln?« oder »Wie lässt sich die schöpferische Kraft des Verlusts gegen die neoliberale Rationalität wiederbeleben, die konstitutiv auf der Verdrängung des Verlusts und dessen Ersetzung durch die Imperative von Produktion, Konsum und Vergnügen beruht?«

Zur Reflexion über diese und weitere von der italienischen Philosophin aufgeworfene Punkte wollen die Vorträge der Referenten sowie die Diskussion mit dem Publikum im Laufe des Abends bei PsyBi beitragen.

Freitag, 20. November, 18:00 - 20:00

Camilla Croce (Berlin), Andjela Samardzic (Zürich), Roni Weissberg (Zürich)

Anmeldung: Bitte melden Sie sich an, auch um eventuelle Materialien zu erhalten, die zur Verfügung gestellt werden, camcroce@gmail.com

Eintritt: 10 €, ermäßigt 5 €