Mit dem zweiten KIDS-Workshop in diesem Jahr knüpfen wir an das Thema "Szene" (vgl. lat. scaena [Bühne, Schauplatz]; griech. skéné [Hütte, Zelt]) bzw. des "Szenischen" vom letzten Treffen im Februar an. Ausgehend von Freuds „anderem Schauplatz“, anhand dessen er ein frühes topisches Modell entwickelt, sprachen wir über die unbewusste "Urzene" als traumatische Inscription, die entziffert werden will und sich einem subsumtionslogischen "Szenischen Verstehen" widersetzt. Hier stellen sich Fragen nach den Grenzen der Darstellbarkeit und der Verknüpfung des Imaginären mit dem Symbolischen und dem Realen, wie Lacan sie in seinem topologischen Modell vom Borromäischen Knoten behandelt.
Unseren Referenzen auf die Psychoanalytische Theorie liegt ihr Bezug zu den konkreten Schauplätzen unserer Arbeit zu Grunde. Es sind die Begegnungen in unseren verschiedenen Praxen, von denen aus wir fragen und die Theorie auf die Probe stellen. Insofern ist der Workshop für alle Interessierte offen, ohne dass "psychoanalytisches Wissen" vorausgesetzt wird.
Die Struktur dieser Workshopreihe ist zweigeteilt: vormittags gibt es Raum für theoretische Beiträge und deren Diskussion. Am Nachmittag ist Gelegenheit zum Sprechen und Hören aus der konkreten Arbeit im Rahmen einer Intervision.
PROGRAMM:
10:00 Uhr: Begrüssung/Einführung (Susanne Hübner)
10:20 Uhr: ZwischenFall – Episode - Szene Teil II (May Ament)
Zwischen zwei Toden
Eine Anknüpfung von Szenen zu anderen Szenen, zur Kehrseite der vorhergehenden Szene sowie der Versuch einer lacanschen SzenenBeschreibung des Films `Sorry Baby`(2025) von Eva Viktor.
Lacan schreibt im Übertragungsseminar:` Bestenfalls leben wir aufgrund der Anerkennung der Unmöglichkeit, die beiden auf den Tod sich beziehenden Grenzen – symbolischer Tod einerseits, organisches Sterben andererseits – zur Deckung zu bringen, wie tragische Helden zwischen zwei Toden.`
(anschliessend Diskussion + 10 Minuten Pause)
11:20 Uhr: Das Szenische als narrativer Aktionsraum (Anita Müller)
Szenisches Geschehen ist in alltäglichen Interaktionen ebenso vielfältig wie in Kunstproduktionen. Das gilt in besonderer Weise für die psychoanalytische Grundannahme, dass jede Handlung im Sprachprozess als bedeutungstragend angesehen werden kann, auch die Pausen, das Schweigen, die Unterbrechungen. Übertragen auf szenische Darstellungen kann man sämtliche eingesetzten Ausdrucksmittel in einem umfassenderen Sinn als Sprechakte verstehen. Damit eröffnen sich in der sozialpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendliche neue Wege des Zugangs zu den szenischen Aktionen und Interaktionen, mit denen sie sich an andere wenden und etwas von ihren Geschichten erzählen.
(anschliessend Diskussion)
12:10 Uhr: Szenen in der pferdegestützten Arbeit deuten (Indrė Wegner)
Schnitt, Blut, Leben, Tod.
Zerstückelter Körper und Verdopplung.
Abhängigkeit versus Autonomie.
Chiffren. Schnittmuster.
(anschliessend Diskussion)
13:00 Uhr Mittagspause
14:00 Uhr Intervision
Einbringen von eigenen Erfahrungen/Fällen aus den Praxen der Teilnehmenden erwünscht!
16:00 Uhr Kurze Abschlussbesprechung